SIGUR ROS – HEIMA

17. Januar 2013, 19 Uhr
R: Dean DeBlois, Island 2007
97 Min. OmU

Wunderbare Doku über eine unvergleichliche Tour, die Sigur Rós nach einer kräftezehrenden Welttournee im Sommer 2006 quer durch ihre isländische Heimat führte. Zu Hause wollte die Band verlorene Energien tanken und sich von den Strapazen der langen Reisen erholen.
Die Musiker spielten an ungewöhnlichen Orten wie mitten in der grandiosen Natur oder in kleinen Kneipen oder Cafés – für die Bewohner der jeweiligen Dörfer oder auch nur für sich allein. Und so entstanden die wohl berührendsten Aufnahmen der Band überhaupt. Bewusst hatte sie ihre Tour nicht angekündigt, alle Auftritte wurden kurzfristig bekannt gegeben, fanden überwiegend unter freiem Himmel und ohne Eintritt statt. Ein beeindruckendes Musikerlebnis und eine Ode an die bizarre Schönheit Islands und an seine Bewohner.

Anschließend als kurzfristiger ÜberraschungsGig live im Café Riptide: Ofelia Østrem Ossem (Einar Stray), die mit Cello und Piano verzaubern wird!

Zum Ausklang des Abends präsentieren wir dann feinste Häppchen weiterer musikalischer Highlights und Entdeckungen aus dem hohen Norden. Man darf gespannt sein! Leyfið ykkur að vera hissa!

Hier im Blog dazu Teil 2 von Axel Klingenbergs                                            Rock’n’Roll saves our souls !

Zum Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=EuftN2ViiN4

2 Gedanken zu “SIGUR ROS – HEIMA

  1. Rock’n'Roll saves our souls II – Zuhause

    von Axel Klingenberg

    Nachmittags bin ich im verdi-Haus in Hannover auf einer Sitzung. Dort sitzt man und trinkt Kaffee und isst Kekse und redet. Und beschließt Dinge. Eine trockene Angelegenheit (und damit meine ich nicht nur die Kekse). Danach gehe ich noch mit meiner Kollegin Caroline Hartge in ein Café. Es ist riesengroß und menschenleer. Wir könnten unser Essen mithilfe eines kleinen Computers bestellen. Tun wir aber nicht, weil wir nur einen Kakao wollen. Aber wir könnten! Caroline schenkt mir ein Exemplar einer Literaturzeitschrift, in deren aktuellen Ausgabe sie veröffentlicht. „Die Trompete“ heißt das Buchmagazin und ist sehr lesenswert. Für Leute jedenfalls, die Gedichte mögen. Kurzgeschichten sind aber dort auch zu finden, z.B. von Tanja Dückers. Sie ist sehr schön und morbide. Die Story (Tanja Dückers aber vielleicht auch).
    Danach eile ich zum Bahnhof und erwische noch die Regionalbahn, allerdings ist es schon kurz nach sieben, als ich in Braunschweig ankomme. Die 11 fährt gerade weg. Also warte ich auf die nächste Bahn. Am Rathaus angekommen springe ich aus dem Waggon, um zum Universum zu hetzen. Nach wenigen Metern wird mir bewusst, dass ich gar nicht hetzen muss, sondern schlendern kann, weil es letztendlich egal ist, ob ich eine Minute mehr oder weniger von dem Film sehe.
    Braunschweig im Winter: Still ist die Stadt rund um den Dom. Eines der Geschäfte outet sich als „Eintracht“-Sponsor. Ein anderes heißt Karfunkel. Ich denke darüber nach, warum Furunkel und Karfunkel so ähnlich klingen und doch so unterschiedliche Dinge beschreiben. Wer hat sich das ausgedacht? Ich sollte ein Gedicht schreiben, in dem das Wort Karfunkel-Furunkel vorkommt, überlege ich. Aber würde jemand so etwas lesen wollen?
    An der Kasse im Universum ist eine Karte für mich hinterlegt. Ich schleiche in den Kinosaal. Mein Platz ist irgendwo in der Mitte und es ist dunkel. Ich könnte mich jetzt dort hin tasten und ein Dutzend andere Besucher aufscheuchen, sehe aber, dass vorne noch zwei, drei Plätze frei sind und setze mich einfach dort hin. Der Film hat schon angefangen. Die Musik von Sigur Rós ist zu hören und steile Berge direkt an einer Küstenlinie sind zu sehen. Der ganze Film ist so. Sigur Rós und das Streichquartett Amiina reisen durch Island und spielen an seltsamen Orten, z.B. in einer alten Fabrik, an einem Hafen und in einem Protestcamp gegen den Bau einer Aluminiumfabrik. Dazu ertönt betörend schöne Musik, bei der sie auch einen Spielmannszug und einen folkloristischen Sänger einbinden. Ein sehr romantischer Film, auch wenn die Atmosphäre manchmal ironisch gebrochen wird.
    Ich werde deshalb ein wenig sentimental. Die Musiker spielen auch in irgendwelchen Dörfern, die noch abgelegener sind, als das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Ach ja: „Heima“ heißt der Film, was man mit „Zuhause“ oder natürlich mit „Heimat“ übersetzen könnte.
    ich kenne nur wenig Gedichte auswendig. Eines von ihnen ist von Wiglaf Droste. Es geht so:

    „Schön ist die Heimat,
    so man sie hat,
    schön auch der Hering,
    besonders der Brat.“

    Man sieht: Mein Verhältnis zur Heimat ist ein gestörtes. Weil Heimat in Deutschland immer auch Vaterland und Blut und Boden und Mord und Totschlag bedeutet.
    In Island scheint das anders zu sein. Jedenfalls ist der Film nicht nur eine Werbung für Sigur Rós, sondern auch für diese Insel da oben im Nordmeer, kurz vor Grönland. Ich denke, ich muss da unbedingt mal hinfahren. Und mir CDs von Sigur Rós kaufen oder ausleihen, denn natürlich kannte ich die Band vorher nicht. Wie ich schon im letzten Blog sagte: Gute Bands entdecke ich erst dann, wenn sie fünfzehn Jahre lang in Eichenfässern gereift sind.
    Am Ende des Films wird noch ein Ausschnitt vom größten Konzert der Island-Tournee gezeigt, das natürlich in Reykjavik stattgefunden hat. Die atmosphärische, ambientartige Musik wird durch die schnell geschnittenen Bilder perfekt unterstützt. Der Höhepunkt des Films! Danach kann nichts mehr kommen.
    Wir gehen danach ausnahmsweise nicht ins Riptide, sondern zu Guido, weil wir Hunger haben. Die Pizzeria ist übrigens schon aufgrund ihres bizarren Interieurs einen Besuch wert. Erst später schauen wir noch in unserem Lieblingsplattenladen vorbei. Dort laufen Musik-Videos, natürlich isländische. Nachdem ich zwei alte Bekannte begrüßt habe und mit ihnen vereinbart habe, dass wir unbedingt noch mal gemeinsam verreisen sollten (Paddeln im Spreewald), verabschiede ich mich schnell und laufe zum Bus. Und diesmal muss ich mich wirklich beeilen, denn sonst ist er weg und ich muss eine Stunde lang auf den nächsten warten.
    Geschafft. Ich bin wieder zuhause

  2. Full house gestern bei HEIMA! Was was für eine berauschende Stimmung… wir sind immer noch überwältigt. Sehr schön dann auch im Riptide Ofelia Østrem Ossem (Einar Stray) und ihr zweiter Solo-Gig ever! Danke!!

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